Über den Mut herrlich unperfekt zu sein

Momentan leben auf der Erde ca. 7.591.541.000 Menschen. Es gibt die Angepassten, die ständig mit dem Strom schwimmen. Ihr Motto lautet: Ja nicht auffallen, dass ist am besten so. Es macht das Leben einfacher.
Einfacher? Ja vielleicht. Aber auch schöner?
 Dann gibt es die Perfekten, die einen halben Zusammenbruch erleiden, wenn etwas einmal nicht nach ihren Vorstellungen läuft. Mitleidig belächeln sie die Menschen, die anders sind als sie. Während sie die meiste Zeit ihres Lebens damit beschäftigt sind sich in ihr auferlegtes Korsett zu zwängen. Als dritte Gruppe zeichnen sich die Chaoten aus. Oftmals tolpatschig, leicht verpeilt und so ganz anders wie der Rest der Welt. 
Nun stellt sich die Frage, welche Gruppe Mensch denn nun die richtige ist. Wenn es nach meinen Nachbarn geht, dann ist nur der Perfekte das einzig Wahre. Akkurate Rasenkante, teures Auto in der Einfahrt, eine perfekte Familie die niemals streitet und ein aalglattes Aussehen. Das ganze Leben wurde mit einer Maske versehen. Ein Mundwinkelzucken sieht man bei dieser Spezie Mensch selten. Wahrscheinlich überlegen sie sich schon im Vorfeld, was und wie viel sie essen, damit der Haufen, der bedauerlicherweise irgendwann aus ihnen heraus muss,  ja auch in der akkuraten Gewichtsklasse in die Toilette plumpst. Und deshalb sollen sie bessere Menschen sein? Ganz ehrlich, sie kacken auch nichts anderes wie zum Beispiel die Oma von nebenan oder der Obdachlose um die Ecke. Kacke bleibt immer Kacke. Sie leuchtet nicht, sie funkelt nicht und ist auch nicht mit Rubinen durchsetzt. Kacke stinkt einfach und riecht bei Niemanden nach Rosen. Egal wer den Haufen macht.
Und genau deshalb hast du auch das Recht so zu sein, wie du sein möchtest.
Tanzt du gerne aus der Reihe? Dann tu das! Liebst du es mit Anlauf in eine Pfütze zu springen? Dann los! Du hast die Erlaubnis den größten Quatsch zu machen, den du möchtest. Du bist sogar verpflichtet dazu. Wer sagt denn, was richtig und was falsch ist? Welches Recht besitzen wir, über andere Menschen zu urteilen? Ehrliche Antwort? Wir haben kein Recht zu urteilen und es gibt kein richtig oder falsch.
Vor Kurzem wurde ich gefragt, wie ich nur als erwachsene Frau mit Einhornsocken rumrennen könnte. Zu Beginn begriff ich die Frage überhaupt nicht. Warum sollte es einen anderen Menschen interessieren, was für Socken ich anzog? Hauptsache ich hatte keine kalten Füße. Der Rest war doch egal.
Ich fragte, warum sollte ich keine Einhornsocken anziehen? Soll ich mich morgens ärgern, weil ich mal wieder keine schwarzen Socken gefunden habe, da diese wieder meine Kids anhatten? Womöglich käme ich dann zu spät zur Arbeit, würde einen Anschiss vom Chef kassieren und mein Tag wäre gelaufen. Nö, dann doch lieber Einhörner. Außerdem mag ich Einhörner und ich mag es die Welt bunt zu machen.
Es ist mir egal was andere über mich sagen. Ich bin wie ich bin. Ein chaotisch, kreativer Mensch. Und ich möchte Leben. Bunt, laut und schillernd. Denn ich habe nur das Eine. Natürlich erfordert es Mut unperfekt zu sein. Ich weiß wie sehr gut, wie es sich anfühlt schief angeschaut zu werden. Ich bekomme es mit, wenn die Menschen hinter meinem Rücken tuscheln. Ich bin nicht blöd und nicht blind. Tja, und taub schon gar nicht. Ich weiß aber auch wie es ist mit einer Stahlbadewanne in einem ausgetrockneten Bach zu paddeln. Ich habe das Leuchten in den Augen meiner Kinder gesehen, wenn wir über Tische und Bänke tanzten. Ich spürte jeden einzelnen Regentropfen auf meiner Haut, weil ich im Regen hüpfte. Wer weiß schon wie oft man den Regen noch spüren darf? Das Leben ist endlich. Wir Menschen neigen nur dazu, dies zu verdrängen.
Ich habe für mich eine ganze Sammlung bunter Erinnerungen angelegt, die mir keiner mehr nehmen kann. Die für immer in meinem Herzen sind. Diese Erinnerungen sind es, die mir Kraft geben, wenn der Alltag mal wieder an mir zerrt. Und außerdem, bin ich eine Löwenzahnprinzessin. Ganz ehrlich!
Eine Träumerin die Bücher schreibt. Welche Muse würde sich mit einem krankhaften Perfektionisten einlassen, der steif Tag für Tag sein Leben an sich vorbeiziehen lässt? Der durch seine ganze Angespanntheit nicht mehr sieht, wie bunt und schön die Welt eigentlich ist. Der verbissen darauf lauert, dass andere Menschen Fehler begehen, damit er sich für kurze Zeit besser fühlt.
Ich brauche keinen teuren Wagen in der Einfahrt und ich brauche auch keinen englischen Rasen. Ich brauche eine leuchtende Löwenzahnwiese, damit ich meine Träume auf die Reise schicken kann.
 Ich bin eine unperfekte Chaotin und ich bin stolz darauf.
Langweilig kann schließlich jeder.

 

PS: Wann hast du das letzte Mal Seifenblasen fliegen lassen? Wetten, dass es schon eine Ewigkeit her ist? Dabei macht es so Spaß und ist so einfach. Probiere es aus. Wecke das Kind in dir.

 

Viel Spaß

 

Seifenblasenrezept

 

500ml Wasser
200ml Babyshampoo 
50g Puderzucker
ca. 3 cm langen Streifen Zahnpasta

 

Alles vorsichtig zusammenmischen. Und schon kann der Spaß beginnen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Sebastian Domke (Samstag, 28 Juli 2018 11:04)

    Wenn es auf der Welt etwas Perfektes gibt, dann ist es das Unperfekte. Gerade das Unperfekte macht das Leben interessant und lockert uns. Ich bin auch ein Chaot. In meiner Wohnung ist es meist unordentlich und weißt du was? Am Ende meines Lebens wird man mich am Sterbebett nicht fragen, welche Ordnungssysteme ich verwendet oder wie oft ich aufgeräumt habe. Ich selbst werde mich das dann auch nicht fragen. Statt dessen werde ich an die Menschen denken, die mir was bedeuten und die bezaubernden, verrückten und spannenden Momente meines Lebens Revue passieren lassen, die Magie ins Miteinander gebracht und die Freunde und Fremde zum Strahlen gebracht haben.
    Und ich hoffe, dass ich das Gefühl haben werde, mein Leben gelebt zu haben und etwas entfacht zu haben, was andere Menschen glücklich macht.
    Als Autor und Mensch möchte ich was bewirken, und ich will das mein inneres Kind mir apllaudiert und mich dabei anlächelt. Und ich entscheide mich dafür, mit 80 genauso verspielt und verrückt und unperfekt sein wie jetzt mit 40. Danke für den tollen und inspirierenden Artikel.